Einsortiert unter: Reviews | Tags: Clint Mansell, Darren Aronofsky, Jared Leto, Jennifer Connelly

Wow, während WALL•E eher dem filmischen Äquivalent einer liebevollen Streicheleinheit gleicht, die den Zuschauer daran erinnert, dass es Hoffnung gibt und die Liebe alles bewegen kann, ist Darren Aronofskys Requiem for a Dream sozusagen der cineastische Tritt in den Unterbauch, der den Betrachter mit einer verstörten Sicht auf die Welt zurücklässt. Natürlich wäre es ziemlich naiv, anzunehmen, dass ein Film über Drogenabhängige dazu führt, dass man lebensbejahend in die Luft springt. Aber dermaßen mies hab’ ich mich nach einem Film nur selten gefühlt.
Requiem for a Dream erzählt die Geschichte von Harry, Tyrone, Marion und Sara, die allesamt von der einen oder anderen Droge abhängig sind und damit langsam aber sicher ihr Leben zerstören. Während Harry und Tyrone versuchen, ihre Heroinabhängigkeit damit zu unterstützen, dass sie selbst Drogen verkaufen, strebt Harrys Freundin Marion danach, sich als Designerin selbstständig zu machen. Doch auch ihr steht dabei das Heroin im Weg. Zeitgleich beobachten wir Harrys Mutter Sara, die zunächst vom Fernsehen und später von Diätpillen abhängig ist. Der Titel des Films stellt die Motivation der Protagonisten, sich ihren jeweiligen Drogen hinzugeben, unmissverständlich heraus: Alle tragen sie unerfüllte Träume mit sich herum, deren Erfüllung für den Beobachter oft realisierbar scheint, für die Charaktere jedoch immer dann erneut in ungreifbare Ferne rückt, wenn sie sich den Drogen hingeben.
So sehr mich der Film auch fesselte, muss ich doch gestehen, dass mich der unglaublich eindringlich dargestellte Abstieg der Mutter sehr viel mehr interessierte, als die Erlebnisse der heroinabhängigen Jugendlichen, die wir im Parallelschnitt erleben. Ich denke das liegt zu einem erheblichen Ausmaß daran, dass es mir eher schwer fällt, Schönlingen wie Jared Leto und Jennifer Connelly die Abhängigkeit als realistisch abzunehmen. Und damit möchte ich keineswegs andeuten, dass die Drogensucht in der Realität nur die weniger Attraktiven trifft, nein. Ich möchte nur ehrlich sein und anmerken, dass mich dieser Umstand eher irritierte. (Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich angewidert schluckte, als ich Marion bei einigen ihrer Erlebnisse beobachten musste.)
Musikalisch setzt der Score anfangs hauptsächlich auf elektronische Beats, die die Drogeneskapaden der Protagonisten vertonen. Durch ähnliche Filme fast zum Klischee verkehrt, funktionierte diese Kombination zufriedenstellend. Clint Mansells weinendes Violinenthema tut später im Film sein übriges, um dem Gezeigten den nötigen Tiefgang zu verleihen. Wie schön, dass Aronofsky ihm später bei The Fountain gleich noch mehr Raum für seine emotional geladenen Kompositionen gibt!
Jedes Review dieses Films wäre allerdings unvollständig, würde man nicht auf die unkonventionelle filmische Sprache des Darren Aronofsky hinweisen. Konsequent knüpft er hier an die für Pi entwickelte Bildsprache der hochfrequentierten Schnitte, aufdringlichen Kameraperspektiven und Zeitrafferaufnahmen an. (Nur gut, dass er später bei The Fountain den Fast Forward-Schalter offensichtlich nicht wiederfand.) Besonders einfallsreich erscheint die Verwendung des Splitscreens, die einen in vielen Sequenzen erlaubt, das Dargestellte mit erhöhter Sinneswahrnehmung zu erleben. Am treffendsten kommt dies bei einer sehr intimen und ruhigen Liebesszene zwischen den Hauptdarstellern zur Geltung. In Requiem for a Dream wird rein filmisch allerdings kaum zwischen Traumseuqenz und naturalistischer Darstellung unterschieden – beide Welten werden durchgehend überspitzt und wie im Vollrausch präsentiert.
Am meisten beeindruckt haben mich besonders zwei Sequenzen: Als Sara letztendlich den Höhepunkt ihrer Abhängigkeit erreicht, geschieht dies in einer wunderbar surrealen Bildfolge, in der die Realität um sie herum förmlich auseinander bricht. Und dann ist da die letzte Sequenz, in der kulminierend alle Schicksale ihr Ende finden. Mithilfe eindringlicher, immer schneller werdender Schnitte sind wir fast zu dicht am Erlebten. Nur der errettende Schnitt zum Abspann hält davon ab, sich angewidert vom Film abzuwenden. Widerfährt den Charakteren aus Requiem for a Dream Errettung? Der Film scheint deutlich machen zu wollen, dass es die in dieser Welt nicht gibt – für keinen.
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Kommt bald …


Eeeeendlich mal wieder im Kino gewesen. Pünktlich zum Start: WALL•E – Der Letzte räumt die Erde auf.
Wieder mal ein Film, an den ich falsche Erwartungen gestellt habe. Ich mein, hey, es ist ein Pixar-Film und wer Findet Nemo oder Die Unglaublichen gesehen hat, weiß, was man eigentlich von Pixar-Filmen zu erwarten hat: Gags am laufenden Band. Bei WALL•E war das zwar auch so, ABER das ganze hatte doch einen ganz schön ernsten Hintergrund, so dass einem ab und zu das Lachen im Halse stecken blieb.
Die Erde ist ein einziger Müllhaufen und die Bewohner, vor hunderten von Jahren in den Weltraum geflüchtet, bewegen sich nur noch auf Luftkissensesseln fort und verfetten zusehends. Aufforderung zum Essen und Trinken überall, alles natürlich aus Plastikbechern, und jegliche gesellschaftliche Tätigkeit findet nur noch virtuell statt. *schluck*
Das ist leider gar nicht so weit weg von der Wahrheit. Kleine Kinder verstehen das natürlich nicht und erst recht für die ganz Kleinen find ich den Film auch zu traurig/gruselig, weswegen ich die FSK (ab 0 Jahren) mal wieder nicht nachvollziehen kann.
TROTZDEM: Für uns mehr oder weniger Erwachsene ist der Film ein großartiger Denkanstoß.

Ich sollte vielleicht vorwegnehmen, dass ich erst seit relativ kurzer Zeit Animationsfilmen aus dem Computer wirklich offen gegenüber- stehe. Doch nach einigen Nachhilfestunden (vielen Dank, Matthia & Nils) und dem wunderbaren Erlebnis, Findet Nemo mit meiner kleinen Nichte anzusehen, hat sich meine Sicht auf solche Filme vollkommen verändert. Findet Nemo ist ein außergewöhnlich schönes Meisterwerk filmischer Erzählkunst — wen kümmert es da, dass die Figuren allesamt aus dem Rechner stammen? Mich jedenfalls nicht (mehr).
Insofern war ich schon vor einigen Monaten, als ich den ersten Teaser für WALL•E im Internet bestaunen konnte, völlig begeistert und freute mich auf den Film wie auf kaum einen anderen dieses Jahr. Und tatsächlich: Ich wurde in keinster Weise enttäuscht. WALL•E ist ein wirklich wunderschöner, herzerwärmender Film, der mich in gewisser Weise daran erinnert hat, wie es ist, einen Film mit den Augen eines Kindes wahrzunehmen. Ich denke, gerade die wunderbar simple Erzählstruktur aber auch das herrlich auf die Darstellung von Emotionen reduzierte Design der Figuren (man beachte beispielsweise WALL•Es übergroße Augen) sind dafür verantwortlich. WALL•Es wiederholter Versuch, Eves Hand zu berühren, ist ein weiteres wortloses Mittel, das den Film an vielen Stellen universell verständlich macht. In dieser Darstellung erinnern die beiden Roboter gar an kleine, schüchterne Kinder. Darüber hinaus war das einfach nur süüüüß.
Was mich an dem Film jedoch am meisten verzaubert hat, sind die Szenen, die zeigen, wie WALL•E sich bemüht, Eeee-waas Aufmerksamkeit zu erhaschen. So einfach diese Szenen auch dargestellt werden, so unverblümt ist doch die Wahrheit, die in ihnen zum Ausdruck kommt. Wenn WALL•E der begehrten Roboter-Dame mit seinen verträumten Augen nachschmachtet, erweckt dies die wunderbar süße Erinnerung daran, verliebt zu sein. Insofern stellen diese auch meine Lieblingsszenen dar. Nicht zu vergessen ist dabei der Moment, als die beiden Roboter im All schwebend aufeinander treffen und sich küssen. Niedlich.
Hervorheben möchte ich außerdem den stimmigen Soundtrack und die außergewöhnliche Detailhaltigkeit des Filmes. Die Künstler bei Pixar haben eine Welt erschaffen, die voller kleiner Einzelheiten im Hintergrund steckt: Neben dem beeindruckenden Innenleben der riesigen Axiom ist das vor allem WALL•Es vor popkulturellen Querverweisen nur so strotzende Kuriositätensammlung.
Vergessen werden darf aber auch nicht die dem Film zugrunde liegende, wichtige Botschaft: Wenn wir als Kultur weiter in dem Maß der Verschwendung nachgehen, wie wir es jetzt tun, zerstören wir den einzigen Planeten, den wir haben. Bei genauer Betrachtung der Menschheit in WALL•E, stellt sich allerdings die Frage, ob wir als Gesellschaft nicht schon längst dort angekommen sind, wo WALL•E mit der überspitzten Darstellung anfängt …