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REQUIEM FOR A DREAM
22. August 2009, 16:29
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Requiem

Wow, während WALL•E eher dem filmischen Äquivalent einer liebevollen Streicheleinheit gleicht, die den Zuschauer daran erinnert, dass es Hoffnung gibt und die Liebe alles bewegen kann, ist Darren Aronofskys Requiem for a Dream sozusagen der cineastische Tritt in den Unterbauch, der den Betrachter mit einer verstörten Sicht auf die Welt zurücklässt. Natürlich wäre es ziemlich naiv, anzunehmen, dass ein Film über Drogenabhängige dazu führt, dass man lebensbejahend in die Luft springt. Aber dermaßen mies hab’ ich mich nach einem Film nur selten gefühlt.

Requiem for a Dream erzählt die Geschichte von Harry, Tyrone, Marion und Sara, die allesamt von der einen oder anderen Droge abhängig sind und damit langsam aber sicher ihr Leben zerstören. Während Harry und Tyrone versuchen, ihre Heroinabhängigkeit damit zu unterstützen, dass sie selbst Drogen verkaufen, strebt Harrys Freundin Marion danach, sich als Designerin selbstständig zu machen. Doch auch ihr steht dabei das Heroin im Weg. Zeitgleich beobachten wir Harrys Mutter Sara, die zunächst vom Fernsehen und später von Diätpillen abhängig ist. Der Titel des Films stellt die Motivation der Protagonisten, sich ihren jeweiligen Drogen hinzugeben, unmissverständlich heraus: Alle tragen sie unerfüllte Träume mit sich herum, deren Erfüllung für den Beobachter oft realisierbar scheint, für die Charaktere jedoch immer dann erneut in ungreifbare Ferne rückt, wenn sie sich den Drogen hingeben.

So sehr mich der Film auch fesselte, muss ich doch gestehen, dass mich der unglaublich eindringlich dargestellte Abstieg der Mutter sehr viel mehr interessierte, als die Erlebnisse der heroinabhängigen Jugendlichen, die wir im Parallelschnitt erleben. Ich denke das liegt zu einem erheblichen Ausmaß daran, dass es mir eher schwer fällt, Schönlingen wie Jared Leto und Jennifer Connelly die Abhängigkeit als realistisch abzunehmen. Und damit möchte ich keineswegs andeuten, dass die Drogensucht in der Realität nur die weniger Attraktiven trifft, nein. Ich möchte nur ehrlich sein und anmerken, dass mich dieser Umstand eher irritierte. (Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich angewidert schluckte, als ich Marion bei einigen ihrer Erlebnisse beobachten musste.)

Musikalisch setzt der Score anfangs hauptsächlich auf elektronische Beats, die die Drogeneskapaden der Protagonisten vertonen. Durch ähnliche Filme fast zum Klischee verkehrt, funktionierte diese Kombination zufriedenstellend. Clint Mansells weinendes Violinenthema tut später im Film sein übriges, um dem Gezeigten den nötigen Tiefgang zu verleihen. Wie schön, dass Aronofsky ihm später bei The Fountain gleich noch mehr Raum für seine emotional geladenen Kompositionen gibt!

Jedes Review dieses Films wäre allerdings unvollständig, würde man nicht auf die unkonventionelle filmische Sprache des Darren Aronofsky hinweisen. Konsequent knüpft er hier an die für Pi entwickelte Bildsprache der hochfrequentierten Schnitte, aufdringlichen Kameraperspektiven und Zeitrafferaufnahmen an. (Nur gut, dass er später bei The Fountain den Fast Forward-Schalter offensichtlich nicht wiederfand.) Besonders einfallsreich erscheint die Verwendung des Splitscreens, die einen in vielen Sequenzen erlaubt, das Dargestellte mit erhöhter Sinneswahrnehmung zu erleben. Am treffendsten kommt dies bei einer sehr intimen und ruhigen Liebesszene zwischen den Hauptdarstellern zur Geltung. In Requiem for a Dream wird rein filmisch allerdings kaum zwischen Traumseuqenz und naturalistischer Darstellung unterschieden – beide Welten werden durchgehend überspitzt und wie im Vollrausch präsentiert.

Am meisten beeindruckt haben mich besonders zwei Sequenzen: Als Sara letztendlich den Höhepunkt ihrer Abhängigkeit erreicht, geschieht dies in einer wunderbar surrealen Bildfolge, in der die Realität um sie herum förmlich auseinander bricht. Und dann ist da die letzte Sequenz, in der kulminierend alle Schicksale ihr Ende finden. Mithilfe eindringlicher, immer schneller werdender Schnitte sind wir fast zu dicht am Erlebten. Nur der errettende Schnitt zum Abspann hält davon ab, sich angewidert vom Film abzuwenden. Widerfährt den Charakteren aus Requiem for a Dream Errettung? Der Film scheint deutlich machen zu wollen, dass es die in dieser Welt nicht gibt – für keinen.

Kommt bald …


2 Kommentare bis jetzt
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Nach den Fotos zu urteilen, sind es bislang zwei Liebesfilme, die wir besprochen haben. ;) Ich find sie toll, lass es so! Ich begeb mich jetzt mal daran meine Rezension fertig zu schreiben, vielleicht schaff ich es ja heute noch.

Kommentar von Miriam

Freut mich, dass dir die Bebilderung gefällt. Ich fand, dass es so einfach etwas zu grau und langweilig aussah. Und du hast Recht, dass die beiden Bilder sich irgendwie ziemlich ähnlich sind, hab’ ich mir auch schon gedacht …

Kommentar von Flim




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